Mittwoch, 12. Oktober 2005

Gully-Deckel-Alltags-Orakel

Auch ich möchte mich der Reihe von Yooee aus dem Hause Bockbierbowle
anschließen und die werte Leserschaft an meinem persönlichen, nicht ganz so ausgefeiltem, aber dennoch funktionierendem Alltags-Orakel aus frühester Kindheit teilhaben lassen, dem "Pflasterstein- und Gullydeckel-Orakel", welches wie folgt funktioniert:

Wenn man sich auf dem Gehweg einer nicht allzusehr befahrenen Straße befindet und von hinten ein herannahendes Auto wahrnimmt, man aber nicht genau weiß, wann es auf gleicher Höhe mit einem selbst sein wird (Voraussetzung: nicht umgucken!), nimmt man sich den nächsten Gullydeckel als "Ziel" des Orakels und beschwört es mit folgender oder ähnlicher Formel: "Wenn ich den Gully eher erreicht habe als das Auto mich, wird es ein guter Tag - wenn nicht, dann nicht."
Vorteil: aufgrund der vermehrt aufkommenden Gullys an Straßen- bzw. Gehwegrändern kann man das Orakel solange befragen, bis man eine zufriedenstellende Aussage erhalten hat.
Die Gullys sind ersetzbar durch die Gehwegplattenfugen, herumliegenden Müll etc.

Der kleine Häwelmann.

Oder: Warum mich ein altes Kinderbuch beinahe 500,- Euro gekostet hätte.

mein_haewelmann

"Der kleine Häwelmann" von Theodor Storm ist sicher den meisten ein Begriff. Es mag nicht unbedingt eines der pädagogisch wetvollsten Bücher sein, wenngleich auch nicht so schlimm wie "Struwwelpeter", aber ich besaß es nun mal als Kind und habe es heiß & innig geliebt. Allerdings auch nur diese eine, ganz bestimmte Ausgabe mit dieser einen, ganz bestimmten Zeichnung vorn auf dem Deckblatt. Denn kleine Häwelmänner gibt es bei Ebay viele, aber als ich vor etwas mehr als einem Jahr nach "meinem" Buch Ausschau hielt, war es nicht dabei. Das aus meiner Kindheit war dem Aufräum- und Wegwerfwahn meiner Mutter zum Opfer gefallen, aber da hat sie auch sicher nicht gewußt, daß ich da so dran gehangen habe und auch noch Jahre später dran hing.
Aber ich hatte Glück und fand es dann doch noch. Nun gibt man ja in der Regel nur dann schon frühzeitig sein Gebot ab, wenn man weiß, daß man bei Auktionsende nicht live vorm Rechner sitzen kann, oder weil man einfach keine Ahnung vom Bieten hat. Normalfall ist aber für diejenigen, die ihr Höchstgebot nicht durch andere Mitbieter oder gar Pusher unnötig in die Höhe treiben lassen wollen, daß man erst in möglichst letzter Sekunde bietet. Wieviel Zeit genau die "letzte Sekunde" tatsächlich bedeutet, hängt natürlich vom eigenen Rechner ab sowie auch von den bekannten Stoßzeiten bei Ebay wie z.B. Sonntagabends. Dieses Bietverhalten wird unter Ebay'ern "Snipen" genannt, eine meiner Spezialitäten. Man gibt also in "letzter Sekunde" sein Höchstgebot ab und verringert somit die Wahrscheinlichkeit, daß man noch überboten werden kann, und falls doch, dann entweder nur bis kurz vor seinem Höchstgebot (wobei das dann ja trotzdem ärgerlich ist, wenn der Preis durch das eigene Gebot auf z.B. nur Euro 1,50 gesprungen ist, sich dann aber doch noch jemand in allerallerletzter Sekunde dazwischendrängelt und zwar nicht höher bietet als man selbst, aber das Höchstgebot dann auf z.B. Euro 11,50 treibt, weil man z.B. 13,- als Obergrenze, der andere aber nur 11,- eingegeben hat), oder man wird eben überboten, aber dann war einem das Teil ja auch nicht mehr wert. Soweit, so gut.

Nun wollte ich aber dieses Buch u-n-b-e-d-i-n-g-t haben, allein schon weil ich ja auch durch langes Suchen festgestellt habe, daß ebendiese Ausgabe eher selten bei Ebay zu finden ist. Und weil ebendieses Buch ein Stück aus meiner Kindheit ist, aus der ich eh schon kaum Erinnerungen in gegenständlicher Form besitze.

Daß ich es bekam, dazu verhalf mir das "Kamikaze-Snipen".
Bedeutet, daß man in erwähnter letzter Sekunde nicht sein realistisches Höchstgebot abgibt, sondern eine utopische Summe. Sollte sich dann also doch noch jemand mit einem Gebot in die letzte Sekunde drängeln können, hat man den bebotenen Artikel garantiert sicher.
"Kamikaze" heißt es nun aber deswegen, weil ja nun unter Umständen jemand anderes auf die gleiche Idee kommen könnte und ebenfalls ein horrendhohes Höchstgebot eingibt. Wenn ich also, wie beim kleinen Häwelmann der Fall gewesen, 500,- Euro eingab und jemand anderes hätte 499,- eingegeben, hätte ich mit meinem Höchstgebot das Buch gewonnen.
Ich hatte aber Glück und bekam es für nur 4,39. :-)

mein_haewelmann2

Offener Brief an meinen Mobber.

Oder: wie man sich in einem Menschen täuschen kann.
Oder: Hallo "Bandit56".

'Mobber sind außengelenkt und achten nur auf ein äußeres Erscheinungsbild. Gleichzeitig verachten sie die Bedeutung eines liebenden Innenlebens (z. B. Mitgefühl). Es sind Psychopathen, die einen Feind (ein Opfer) benötigen, um ihre „Leere“ zu überspielen, damit sie sich „selbst“ spüren.'
und
"Grenzen setzen -
Ein wichtiger Punkt für ein Mobbingopfer ist, dem Täter Grenzen zu setzen, soweit es dem Opfer möglich ist und es sich in der dazu notwendigen seelisch Verfassung befindet. Es ist außerordentlich wichtig, dass dem Mobber frühestmöglich ein klares "STOP!" signalisiert wird. Ansonsten wird dem Täter vermittelt, dass er ruhig weiter mobben kann."
(Quelle Wikipedia)

Dir mit diesem Beitrag mein klares STOP! zu signalisieren, wird wahrscheinlich vergeblich sein, da Du ja nicht einsehen, geschweige denn verstehen willst, daß ich mich durch Dich gemobbt fühle, aber es ist einen Versuch wert.

Meine regelmäßigen Leser "kennen" Dich bereits aus Beiträgen von Anfang September (mittlerweile wieder Offline), in denen ich aus meinem Leben und einigen dazugehörigen Menschen berichtete. Wir führten eine Freundschaft und waren die besten Teamkollegen, bis daraus "mehr" wurde. Ich habe Dir, der Du damals bereits verheiratet warst, während ich mein Single-Dasein als alleinerziehende Mutter genoß, immer zugute gehalten, daß Du mich nie bedrängt, nie "noch mehr" von mir gefordert hast. Auch wenn wir uns - trotz daß wir im gleichen Ort wohnen - aus den Augen verloren haben, dachte ich bis vor wenigen Monaten eigentlich immer gern an unsere gemeinsame Zeit zurück, habe Dich nach Deinem Ausstieg bei den Pfadfindern sehr vermisst, aber ich habe Dir nicht wirklich hinterhergetrauert, da Du mich eben auch durch Dein damaliges Verhalten sehr enttäuscht hast. Wirklich nachgetragen habe ich Dir das jedoch nie, weil sich die schönen und angenehmen Zeiten mit denen, die nicht ganz so schön war, in meinen Erinnerungen zumindest irgendwie die Waage hielten.

Vorgeworfen habe ich Dir lediglich mal Egoismus, weil ich mich oft doch sehr benutzt von Dir fühlte, denn mir wichtigen Fragen bist Du fast immer ausgewichen. Du hast mich in die Schweiz gehen lassen, obwohl Du die Chance hattest, mich zu halten - spätestens da wußte ich, daß ich Dir so wichtig gar nicht sein konnte. Einige andere Situationen, deren Details ich mir hier sparen werde, gaben ihr Übriges dazu. Du warst in der Lage, mir zu berichten, daß Du Dich beim Jugendamt danach erkundigt hast (haben willst), wieviel Unterhalt Du für Deine Familie im Falle einer Scheidung bezahlen müsstest, aber auf meine immer wiederkehrenden Fragen, was Du eigentlich von mir willst, hast Du nie geantwortet. Also mußte ich mir selbst eine Antwort basteln, die da lautete: die Seele streicheln lassen. War ja auch schön bequem für Dich, wohnten wir Luftlinie ja keine 200 Meter auseinander, immerhin nicht in Sichtweite, da konnte es die Ehefrau ja nicht sehen, wenn Du mir fast jeden Samstag Brötchentüten mit kleinen "Liebes"-Zettelchen, aufgenommenen Kassetten (vorzugsweise mit Reinhard Mey bespielt) und kleinen Aufmerksamkeiten für meine Kinder an die Haustür gehängt hast. Oder auf dem Heimweg von Betriebsfeiern nochmal schnell vorbeikommen. Oder nach den bei mir stattfindenen Teamsitzungen noch länger bleiben, wenn der dritte Kollege bereits gegangen war - bei mir hattest Du immer eine offene Tür vorgefunden, und wenn sie mal geschlossen war, lag es nur daran, um Dir zu signalisieren, daß ich so nicht mehr kann. Du wußtest, daß ich "still halten" würde, ja sogar bei einem Gespräch mit Deiner Frau, die gerne mit mir reden wollte, weil sie wohl irgendwie "Lunte gerochen" hatte, habe ich unser über eine normale Freundschaft hinausgehendes Verhältnis geleugnet. Du warst bei diesem Gespräch ja nicht anwesend, weil ja die damals letzte Leiterrunde bei lieben Freunden so wichtig war. Heute, nach einigen Vorfällen mehr und natürlich durch die normale Läuterung der Zeit glaube ich zu wissen, daß Du Deiner Frau wohl einfach nur nicht in die Augen hättest schauen können. Was natürlich ausschließlich Dein Problem war oder ist.

Dieses ganze Hin & Her, auf & ab der Gefühle zog sich über fast 3 Jahre hin.

Als ich in der Schweiz wohnte, nahmst Du erst wieder Kontakt zu mir auf, als Du erfahren hattest, daß ich zurückkehren werde - in all der Zeit dazwischen nie eine Nachfrage wie es mir geht, das fällt mir eigentlich erst jetzt so richtig auf, nachdem Du nun wieder Kontakt zu mir gesucht hast und in Deinen Mails immer nur von Dir die Rede ist - "Vermisse Dich", "Ich würde gern..." und so weiter. Nicht ein einziges Mal eine Frage nach mir, wie es mir geht, ob ich glücklich bin. Überhaupt hast Du immer vermieden, nach mir zu fragen (ich höre Deinen Aufschrei "Stimmt doch gar nicht!!!!!!!!!" - diese stets vielen Ausrufezeichen von Dir haben was vom getroffenen Hund, der bellt...). Stattdessen so wie neulich eine von hinten rum gewagte Andeutung (sinngemäß) "Ich würde mich ja gern wieder mal mit Dir bei einem Bierchen unterhalten".
Bis es aber überhaupt zu dieser erneuten Kontaktaufnahme Deinerseits kam, war eigentlich alles gut so, wie es war - "unsere" Zeit war vorbei, ich habe Dich "trotz allem" eigentlich in guter Erinnerung behalten und Dir als Mensch & Freund tatsächlich ein wenig hinterhergetrauert, was sogar Herr Budenzauberer verstehen konnte, der "unsere Geschichte" kennt. Dieses Kapitel mit Dir wird für immer Teil meines Lebens sein, wie das mit Kapiteln nun mal so ist. Aber es war auch, wie es allerdings nicht immer mit Kapiteln ist, abgeschlossen.
Durch mein eigenes Dazutun und natürlich auch durch meinen Mann, mit dem ich zum Glück über alles reden kann.

Trotz daß unser Dorf nicht gerade Weltstadtausmaße hat, haben wir es bisher, seit 3 Jahren, geschafft, uns nicht zu treffen, zumindest nicht so, daß peinliche und/oder unangenehme Situationen entstanden. Mag sein, daß Du mich mal hier und dort gesehen hast, und es kam auch schon vor, daß Du just an genau der Ampel halten mußtest, die ich gerade mit meiner Familie überquerte, aber die Zeit war da noch nicht reif für für ein freundliches Zunicken im Sinne von "Hallo". Vielleicht weil ich immer noch irgendwo, irgendwie sauer & enttäuscht war, daß Du bei den Pfadis ausgestiegen bist und Dich nie mal einfach so bei mir gemeldet hast, Telefonnummer & Mailadresse waren Dir jedenfalls bekannt. Aber egal, darum geht es jetzt nicht wirklich. Irgendwann haben wir ja immerhin mal ein "Hallo" hinbekommen. Und gut ist.
Dachte ich.

Aber es sollte alles anders kommen - so anders, wie ich im Traum nicht geglaubt hätte.

(Hier geht's zu Teil 2.)

Du

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