Notfallambulanz.
In unserer Stadt gibt es, schön zentral am Bahnhof gelegen, eine Notfallambulanz. Dort sind zu normalen Praxis-Schließzeiten (Mittwochnachmittags, Feiertage, Samstag & Sonntag) je ein Kinderarzt und ein Allgemeinmediziner anwesend. Den praktischen Nutzen dieser Einrichtung durften wir in den vergangenen 4 Jahren bereits mehrmals erfahren, denn irgendwas ist ja immer. Und solange man keine Brüche oder blutenden Wunden hat, mit denen man natürlich umgehend in eine Klinik fährt (derer haben wir schließlich 4, die psychatrische mal nicht mitgezählt), fährt man halt zum Bahnhof.
Die Notfallambulanz sieht nicht nur wie ein Großraumcontainer aus, es ist auch einer. Dementsprechend auch die Inneneinrichtung: schmale Gänge, provisorisch nur mit dem Nötigsten ausgestattete Warte- und Behandlungszimmer. Aber ich will gar nicht meckern, es erfüllt ja alles seinen Zweck.
Am Samstagmorgen haben sich die Halsschmerzen der Ältesten verschlimmert, ich tippe auf Mandelentzündung, so daß wir mal wieder die Ambulanz aufsuchen durften.
10.07 Uhr: ich löse für 1 Euro einen Parkschein bis 11.07 Uhr.
10.08 Uhr: wir betreten die Ambulanz.
10.12 Uhr: dieBedienung Arzthelferin nimmt per Versicherungskarte die Personalien der Tochter auf und kündigt an, daß wir noch ein bißchen warten müßten, es seien noch 3 Leute vor uns dran. Ist OK.
10.13 Uhr: wir nehmen im Wartezimmer Platz.
10.17 Uhr: wir verlassen das Wartezimmer wieder, weil dort ein ca. 6jähriger Junge auf unerträgliche Weise ein Kaugummikaut schmatzt.
10.18 Uhr: wir nehmen auf den Stühlen in dem schmalen Gang vor den Behandlungszimmern Platz, ich blättere in der Bunte von vor 6 Wochen. Neben uns eine junge Mutter mit einem ca. 3jährigen Mädchen.
10.20 Uhr: ein junger Mann kommt aus dem Behandlungszimmer, eine junge Frau geht rein.
10.30 Uhr: ein Mann betritt die Ambulanz (das ist der Vorteil an den Plätzen auf dem Gang: man bekommt alles mit). In einem seiner Nasenlöcher steckt ein gedrehtes Papiertaschentuch, leicht rot eingefärbt. Er wird ins Labor gebeten.
10.40 Uhr: der diensthabende Arzt (Ha! Den hatten wir schon beim letzten Mal, der ist gut.) verabschiedet die junge Frau und geht ins Labor, wahrscheinlich um den Nasenbluter zu behandeln.
10.45 Uhr: er geht wieder ins Behandlungszimmer, in das bereits eine Frau, die schon bei unserer Ankunft im Wartezimmer saß, eingetreten ist.
10.47 Uhr: aufgrund auftretender Langeweile spekulieren die Älteste und ich über die Herkunft der verschiedenfarbigen Flecken auf der Wand, die sich uns gegenüber in ca. 30 cm Abstand befindet (man muß die Füße immer unter den Stuhl einziehen, wenn eine Arzthelferin den Gang entlang geht).
10.50 Uhr: eine Frau kommt an den Tresen und meint, sie sei gestern schon da gewesen, sie bräuchte das Wochenende über Infusionen. Sie wird direkt in einen kleinen Raum hinter der Anmeldung gebeten. Der ältere Mann, der nach ihr kam, wird direkt, ohne daß er sagen brauchte, was er hat oder benötigt, ins Labor geführt.
10.52 Uhr: das kleine Mädchen wird quengelig, die Mutter versucht es zu beruhigen und singt ein Lied mit ihr. Auf polnisch.
10.55 Uhr: die Frau von 10.45 Uhr und der Arzt kommen aus dem Zimmer, der Arzt geht ins Labor zu dem älteren Herrn.
10.59 Uhr: eine weitere Frau aus dem Wartezimmer darf zum Arzt.
11 Uhr: eine apathisch wirkende Frau betritt die Ambulanz. Die Arzthelferin sagt zu ihr:"Frau H., Sie bleiben jetzt aber hier!" Frau H. geht ins Wartezimmer.
11.03 Uhr: der Arzt verlässt das Labor und geht ins Behandlungszimmer.
11.05 Uhr der ältere Herr kommt aus dem Labor. Wir sitzen jetzt schon eine Stunde hier.
11.07 Uhr: Frau H. verlässt das Wartezimmer und nimmt auf einem Stuhl neben uns Platz. Die Arzthelferin sagt:"Frau H., gehen Sie bitte wieder ins Wartezimmer."
Frau H.:"Nee, da kriege ich Angstzustände." Komisch, der kleine Kaugummijunge ist doch längst weg? Unser Parkschein ist soeben abgelaufen.
11.10 Uhr: die Frau kommt aus dem Behandlungszimmer, die Tür schließt sich wieder.
11.19 Uhr: Frau H. fängt an, den schmalen Gang hoch und runter zu gehen. Ich tippe auf Methadon-Abholung.
11.20 Uhr: die Frau von 10.50 Uhr verlässt das Behandlungszimmer? Hä? Die ist da doch gar nicht reingegangen! Pah, da wird die einfach von hinten durch die Zwischentür da reingeschleust! Die Älteste wird auch nöckelig, aber weil ich kein polnisches Kinderlied kann, vertröste ich sie damit, daß das ja jetzt schon 3 Leute waren (die "Notfälle" im Labor mal nicht mitgezählt) und wir sicher als nächste dran sind. Scherz. Natürlich waren wir nicht als nächste dran, sondern erstmal noch die Mutter neben uns.
Mittlweile wird es an der Anmeldung richtig voll. So wie bei McDonald, kurz nachdem der ICE um 19.48 Uhr angekommen ist. Ich sage der Ältesten, sie solle sich darauf einstellen, daß es gleich laut werden könnte, wenn wir nicht als nächste dran sind. Sie:"Aber bitte nicht schreien!"
11.26 Uhr: die Mutter mit dem kleinen Mädchen verlässt das Behandlungszimmer. Der Arzt bittet Frau H. herein.
11.27 Uhr: ich stehe am Tresen. Die Arzthelferin sagt gerade zu einer jungen Frau, daß es etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern könnte. Ich sage:"Oder anderthalb wie bei uns." Ich hatte ja eigentlich auf sowas wie "Oh, wir haben ganz vergessen, Ihre Karte rauszulegen" oder so getippt, das hätte man dann ja wenigstens noch unter menschlichen Fehler abbuchen können und würde auch unsere lange Wartezeit und die Bevorzugung mehrerer Patienten halbwegs erklären. Aber da sagt sie doch ganz dreist, es käme hier jeder der Reihe nach dran! Hallo?! "Nee", sage ich, "da waren noch welche dran, die nach uns kamen, die junge Frau mit der Infusion zum Beispiel"- ich werde abgewürgt:"Das sind Labornotfälle, die kommen immer zwischendurch dran." Ich merke, daß Diskutieren zwecklos ist, ich will ja auch weder den Betrieb da aufhalten noch sonst groß rumlamentieren, sondern einfach nur meinen Unmut kundtun, daß wir bereits seit anderthalb Stunden warten müssen und all den Leuten gesagt wird, es würde höchstens eine dreiviertel Stunde dauern! Und zudem sahen mir mindestens 3 der Laborpatienten (von der Tusse, die durch die Hintertür geschmuggelt wurde, mal ganz zu schweigen) nicht nach Notfällen aus, aber na gut, das liegt nicht wirklich in meinem Beurteilungsvermögen. Wir setzen uns also wieder, die Älteste legt sich quer über 2 Stühle, und - ZACK! Kommt auch schon gleich eine Arzthelferin an und säuselt:"Ist es denn so schlimm? Was hast Du denn?" "Och", sage ich, "nur fast 40° Fieber und starke Halsschmerzen."
11.32 Uhr: Frau H. verlässt das Behandlungszimmer und wir dürfen eintreten. Ist es denn zu glauben. Innert der ersten Minute wird eine Mandelentzündung diagnostiziert und Antibiotika verschrieben. Zwischendurch kommt Frau H. nochmal rein, weil sie einen ihrer Handschuhe vergessen hat. Ganze 4 Minuten hat die Untersuchung gedauert. Das nächste Mal lassen wir uns was anderes einfallen. Papiertaschentuch in die Nase drehen z.B..
Die Notfallambulanz sieht nicht nur wie ein Großraumcontainer aus, es ist auch einer. Dementsprechend auch die Inneneinrichtung: schmale Gänge, provisorisch nur mit dem Nötigsten ausgestattete Warte- und Behandlungszimmer. Aber ich will gar nicht meckern, es erfüllt ja alles seinen Zweck.
Am Samstagmorgen haben sich die Halsschmerzen der Ältesten verschlimmert, ich tippe auf Mandelentzündung, so daß wir mal wieder die Ambulanz aufsuchen durften.
10.07 Uhr: ich löse für 1 Euro einen Parkschein bis 11.07 Uhr.
10.08 Uhr: wir betreten die Ambulanz.
10.12 Uhr: die
10.13 Uhr: wir nehmen im Wartezimmer Platz.
10.17 Uhr: wir verlassen das Wartezimmer wieder, weil dort ein ca. 6jähriger Junge auf unerträgliche Weise ein Kaugummi
10.18 Uhr: wir nehmen auf den Stühlen in dem schmalen Gang vor den Behandlungszimmern Platz, ich blättere in der Bunte von vor 6 Wochen. Neben uns eine junge Mutter mit einem ca. 3jährigen Mädchen.
10.20 Uhr: ein junger Mann kommt aus dem Behandlungszimmer, eine junge Frau geht rein.
10.30 Uhr: ein Mann betritt die Ambulanz (das ist der Vorteil an den Plätzen auf dem Gang: man bekommt alles mit). In einem seiner Nasenlöcher steckt ein gedrehtes Papiertaschentuch, leicht rot eingefärbt. Er wird ins Labor gebeten.
10.40 Uhr: der diensthabende Arzt (Ha! Den hatten wir schon beim letzten Mal, der ist gut.) verabschiedet die junge Frau und geht ins Labor, wahrscheinlich um den Nasenbluter zu behandeln.
10.45 Uhr: er geht wieder ins Behandlungszimmer, in das bereits eine Frau, die schon bei unserer Ankunft im Wartezimmer saß, eingetreten ist.
10.47 Uhr: aufgrund auftretender Langeweile spekulieren die Älteste und ich über die Herkunft der verschiedenfarbigen Flecken auf der Wand, die sich uns gegenüber in ca. 30 cm Abstand befindet (man muß die Füße immer unter den Stuhl einziehen, wenn eine Arzthelferin den Gang entlang geht).
10.50 Uhr: eine Frau kommt an den Tresen und meint, sie sei gestern schon da gewesen, sie bräuchte das Wochenende über Infusionen. Sie wird direkt in einen kleinen Raum hinter der Anmeldung gebeten. Der ältere Mann, der nach ihr kam, wird direkt, ohne daß er sagen brauchte, was er hat oder benötigt, ins Labor geführt.
10.52 Uhr: das kleine Mädchen wird quengelig, die Mutter versucht es zu beruhigen und singt ein Lied mit ihr. Auf polnisch.
10.55 Uhr: die Frau von 10.45 Uhr und der Arzt kommen aus dem Zimmer, der Arzt geht ins Labor zu dem älteren Herrn.
10.59 Uhr: eine weitere Frau aus dem Wartezimmer darf zum Arzt.
11 Uhr: eine apathisch wirkende Frau betritt die Ambulanz. Die Arzthelferin sagt zu ihr:"Frau H., Sie bleiben jetzt aber hier!" Frau H. geht ins Wartezimmer.
11.03 Uhr: der Arzt verlässt das Labor und geht ins Behandlungszimmer.
11.05 Uhr der ältere Herr kommt aus dem Labor. Wir sitzen jetzt schon eine Stunde hier.
11.07 Uhr: Frau H. verlässt das Wartezimmer und nimmt auf einem Stuhl neben uns Platz. Die Arzthelferin sagt:"Frau H., gehen Sie bitte wieder ins Wartezimmer."
Frau H.:"Nee, da kriege ich Angstzustände." Komisch, der kleine Kaugummijunge ist doch längst weg? Unser Parkschein ist soeben abgelaufen.
11.10 Uhr: die Frau kommt aus dem Behandlungszimmer, die Tür schließt sich wieder.
11.19 Uhr: Frau H. fängt an, den schmalen Gang hoch und runter zu gehen. Ich tippe auf Methadon-Abholung.
11.20 Uhr: die Frau von 10.50 Uhr verlässt das Behandlungszimmer? Hä? Die ist da doch gar nicht reingegangen! Pah, da wird die einfach von hinten durch die Zwischentür da reingeschleust! Die Älteste wird auch nöckelig, aber weil ich kein polnisches Kinderlied kann, vertröste ich sie damit, daß das ja jetzt schon 3 Leute waren (die "Notfälle" im Labor mal nicht mitgezählt) und wir sicher als nächste dran sind. Scherz. Natürlich waren wir nicht als nächste dran, sondern erstmal noch die Mutter neben uns.
Mittlweile wird es an der Anmeldung richtig voll. So wie bei McDonald, kurz nachdem der ICE um 19.48 Uhr angekommen ist. Ich sage der Ältesten, sie solle sich darauf einstellen, daß es gleich laut werden könnte, wenn wir nicht als nächste dran sind. Sie:"Aber bitte nicht schreien!"
11.26 Uhr: die Mutter mit dem kleinen Mädchen verlässt das Behandlungszimmer. Der Arzt bittet Frau H. herein.
11.27 Uhr: ich stehe am Tresen. Die Arzthelferin sagt gerade zu einer jungen Frau, daß es etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern könnte. Ich sage:"Oder anderthalb wie bei uns." Ich hatte ja eigentlich auf sowas wie "Oh, wir haben ganz vergessen, Ihre Karte rauszulegen" oder so getippt, das hätte man dann ja wenigstens noch unter menschlichen Fehler abbuchen können und würde auch unsere lange Wartezeit und die Bevorzugung mehrerer Patienten halbwegs erklären. Aber da sagt sie doch ganz dreist, es käme hier jeder der Reihe nach dran! Hallo?! "Nee", sage ich, "da waren noch welche dran, die nach uns kamen, die junge Frau mit der Infusion zum Beispiel"- ich werde abgewürgt:"Das sind Labornotfälle, die kommen immer zwischendurch dran." Ich merke, daß Diskutieren zwecklos ist, ich will ja auch weder den Betrieb da aufhalten noch sonst groß rumlamentieren, sondern einfach nur meinen Unmut kundtun, daß wir bereits seit anderthalb Stunden warten müssen und all den Leuten gesagt wird, es würde höchstens eine dreiviertel Stunde dauern! Und zudem sahen mir mindestens 3 der Laborpatienten (von der Tusse, die durch die Hintertür geschmuggelt wurde, mal ganz zu schweigen) nicht nach Notfällen aus, aber na gut, das liegt nicht wirklich in meinem Beurteilungsvermögen. Wir setzen uns also wieder, die Älteste legt sich quer über 2 Stühle, und - ZACK! Kommt auch schon gleich eine Arzthelferin an und säuselt:"Ist es denn so schlimm? Was hast Du denn?" "Och", sage ich, "nur fast 40° Fieber und starke Halsschmerzen."
11.32 Uhr: Frau H. verlässt das Behandlungszimmer und wir dürfen eintreten. Ist es denn zu glauben. Innert der ersten Minute wird eine Mandelentzündung diagnostiziert und Antibiotika verschrieben. Zwischendurch kommt Frau H. nochmal rein, weil sie einen ihrer Handschuhe vergessen hat. Ganze 4 Minuten hat die Untersuchung gedauert. Das nächste Mal lassen wir uns was anderes einfallen. Papiertaschentuch in die Nase drehen z.B..
Budenzauberin - 2006-11-06 10:28 - gezaubert in: geNOTFALLT

p.s.: schade, daß man schriftlich nicht alles rüber bringen kann. auch mal sehr schön: nachts halbdrei im aachener klinikum. notaufnahme, etwa so leicht zu finden wie cheops grabkammer. für mich wurde mal wieder nadel und faden gesucht als ein neuer besucher reinkam und von der annahme tante am tresen interviewt wurde. krankenkasse, familienstand, das übliche halt. blöderweise hatte sich der typ den kiefer ausgerenkt ["üchaaabmeeee...deeeeenkiiiiieeefaaaaaaausgäräääähhhnkt..."] und mußte fast alles dreimal wiederholen. der quiz dauerte etwa 15 minuten und hat die tante nicht im mindesten interessiert. dafür habe ich mir fast in die hose gemacht. das wäre heutzutage bei youtube ein echter blockbuster ...
Klinik-Notaufnahme-Storys hätte ich da auch noch reichlich, obwohl ich mit sowas dümmlichem wie dem armen kieferausgerenkten Typen nicht aufbieten kann.
Wobei - nachts bzw. spätabends finde ich es da immer am schönsten. Die Flure sind frisch gewischt, alles ist ins Halbdunkel getaucht, die Geräuschkulisse ist gedämpft und man hat genug Illustrierte zur Auswahl.
War bestimmt ein Mann.
Heben Sie sich die Cheops-Storys gut auf, der Winter wird sicher lang.