Mittwoch, 18. Januar 2006

Sentimentales. Teil 4.

Bei denen hier

gab es immer so ein "Spiel": je nachdem, in welcher Farbe man einen entdeckte, mußte man denjenigen, der sich gerade in unmittelbarer Nähe befand, kneifen, streicheln, hauen oder küssen. (Wo dieser Mist seinen Ursprung hat, täte ich ja gern mal wissen.)

Anfang/ Mitte der 80er gab es diese Miniaturfläschchen, die ich gesammelt habe, vorzugsweise die von Blue Bols, das es ja später dann in auch anderen Geschmacksrichtungen gab. Dabei fällt mir gerade auf, daß es damals scheinbar noch keine Altersbegrenzung für den Kauf von Alkohol gab, oder? Wie bereits bei Frau Zwilobit's Schmerzbericht im Kommentar erzählt, köpfte ich den Großteil dieser Fläschchen irgendwann, um damit höllische Zahnschmerzen zu bekämpfen.

Auf der Abschlussfahrt Klasse 10 (1984) ging es natürlich nach Berlin. Im Intershop gab es entweder den originalen Bols oder aber einen Verschnitt davon (da hakt die Erinnerung etwas) für nur die Hälfte. (Können Sie das bestätigen, Frau Araxe?)

Wenn ich mich an Samstage erinnere, so sehe ich außer dem bereits erwähnten abendlichen Gemeinschaftsbaden immer auch sämtliche Nachbarn in ihren Hinterhöfen und Garageneinfahrten stehen, Autowaschen mit den Fußballübertragungen aus dem Radio.

Kindergeburtstage waren noch richtige. Also die, wo man als Freundin eingeladen wurde. Da ließ man sich die Feier noch nicht von Ronald organisieren, sondern da wurde noch Topfschlagen, Blinde Kuh und sowas gespielt. Da waren die Kaffeetische noch richtig toll gedeckt, mit Luftschlangen, Konfetti und Platzkarten. Und es gab noch nicht diese idiotischen Giveaways für die Gäste, die sich im Laufe der Jahre steigerten (weil ja jede Mutter die andere übertrumpfen musste). Ich habe nie, bis heute nicht, verstanden, warum die Besucher fast gleichwertige Geschenke bekommen beim Heimgehen.

Dann gab es hier in NRW - es muß Ende der 70er gewesen sein - mal so einen richtigen Winter, wie ich ihn danach nicht mehr erlebt habe: über Nacht fiel soviel Schnee, daß die Busse bereits morgen um 7 Uhr mehr als 30 Minuten Verspätung hatten. Als brave Gymnasiasten warteten wir natürlich solange, bis endlich ein Bus kam, der Fahrer ließ uns aber ganich erst einsteigen, sondern teilte uns mit, daß wohl kurz vorher über Radio die Nachricht gekommen sei, daß der Unterricht bis auf Weiteres ausfallen würde. Ich kann mich vage daran erinnern, daß wir dann wohl fast eine Woche schulfrei hatten und selbst die Hauptverkehrsstraßen während dieser Zeit stets mit Schnee bedeckt waren.

Männer ohne Nerven und Väter der Klamotte fand ich immer blöd. Konnte ich nicht drüber lachen. Habe ich aber trotzdem immer geguckt, gab ja sonst nix anderes.
Don Camillo und Peppone war aber lustig.

Eine Zeitlang gab es Eis mit Plastikstielen, die man - wenn man mehrere besaß - ineinanderstecken konnte. Und nie wieder auseinander bekam.

Manchmal gab's im TV Aufführungen vom Berliner Grips-Theater (eben mal nachgeschaut, das gibt es immer noch), die waren klasse! Das war linkes, emanzipatorisches, aufklärerisches Kindertheater der frühen 70er Jahre.

Und: in der Schule der 70er arbeitete man noch mit Matritzen! So'ne Art Kopierpapier. Das roch immer so toll nach Alkohol.

Aus Walnußhälften hat man Mäusefamilien gebastelt - trés chic!

Kaugummiautomaten. An jeder dritten Hausecke hing einer. Da war immer so kleines Plastikspielzeug mit drin, und man guckte sich vor dem Geldeinwurf lange an, was es so gab und was man gerne hätte. Natürlich kam nie, nie das mit heraus, was man gerne gehabt hätte. Einmal drehen ein Groschen.
Achja, es gab noch Groschen. Will ich wiederhaben.

Im Urlaub hatte man die Sorge, daß es am Ferienort hoffentlich das neue YPS-Heft gibt. Die Urzeit-Krebse sind bei mir nie geschlüpft. Es gab auch noch die Sea-Monkeys. Die kannte ich aber nur von den Werbeanzeigen in den damals gängigen Comic-Heften.

Und: es donnerten vielmehr Düsenjets durch den Himmel als heutzutage, sogar sonntags. Und zwar so laut, daß wir uns tatsächlich die Ohren zuhalten mußten, wenn wir gerade draußen am Spielen waren.

Meine Kindheit war auch geprägt von zwei "Männern" gleichen Namens:
Hermann, der nie endenwollende Teig.
Das war ein Sauerteig, von dem man immer ein Stückchen abzwackte und weiterreichte. Den behaltenen Teig mußte man einige Tage gehen lassen und bereitete man dann mittels beiliegendem Rezept zu. Soll lecker geschmeckt haben, kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Nur noch, daß in jedem Haushalt, den ich damals kannte, immer eine Tupperdose in der Küche stand. Mit Hermann drin.

Und Die seltsamen Abenteuer des Herman van Veen.
Herman lebte mit Freunden in einer Windmühle. Da habe ich den schon geliebt. Lange vor Alfred Jodokus Kwak.

Und ich kann mich noch an einen Straßenfeger erinnern: Roots. Mit Kunta Kinte. Es kostete viel Überredungskunst, daß ich das damals gucken durfte. Wirklich verstanden habe ich das nicht, was ich da sah. Aber egal - Hauptsache TV. Gab ja sonst nix. *g*

Auf Wandertagen sang man noch Lieder aus der Mundorgel. Bolle. Und: Wir lagen vor Madagaskaaar, und hatten die Peeest an Boaaard....

Ich habe alle Bände von Hanni und Nanni gelesen. Da mir mein Vater, wenn ich unartig war (was natürlich nur äußerst selten vorkam *g*), androhte, mich in ein Internat zu stecken, mußte ich schließlich vorbereitet sein und wissen, was mich da erwartet. Seine "pädagogische Maßnahme" ging also nach hinten los, denn ich fand Internate dann toll und wäre gerne in einem gewesen. Damals habe ich aber nicht gewußt, daß er sich das niemals hätte leisten können. Also finanziell und sowieso.

Durch die Werbung stapfte der Hustinettenbär und der Portas-Mann. Und auf den Schachteln der Blendi-Zahnpasta waren immer Comics aufgedruckt.

(Neue Leser finden hier zu Teil 1.)

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